Blockchain für Non-Profit-Organisationen

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Blockchain und Bitcoin ist in aller Munde, spätestens seit der Ankündigung von Facebook im Juni 2019, mit der eigenen Kryptowährung Libra in die Kryptowelt einzusteigen. Doch worum geht es bei Blockchain und was für Auswirkungen hat die Technologie auf den Non-Profit-Sektor und das Fundraising?

Blockchain - was ist das?

Vereinfacht gesagt handelt es sich bei Blockchain um eine quasi endlose Kette digital verbundener Kassenbücher. Jede Transferaktion wird in einer Datenbank aufgezeichnet und ist für jeden einsehbar, aber verschlüsselt und fälschungssicher.

Ihren Durchbruch erlebte die Technologie mit der Erfindung des Bitcoins – einer von Banken unabhängigen Digitalwährung, die auf einem kryptographischen, also sehr schwer entschlüsselbaren Algorithmus basiert. Blockchain kann aber noch viel mehr. Schweden testet Grundbucheinträge mittels dieser Software, Australien den Solarstrom-Handel. Blockchain Experten sagen voraus, dass Notare und Juristen überflüssig werden und Behördengänge, Testamente, und sogar Eheschließungen virtuell stattfinden können. Selbst Blockchain-Wahlen, bei denen jeder nachvollziehen kann, ob seine Stimme gezählt wurde, stehen im Raum.

Auch wenn Blockchain noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es schon jetzt Anwendungsideen in vielen Bereichen, die unsere Gesellschaft revolutionieren können.

Sieben Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain im Fundraising

Die Technologie hat auch das Potenzial, den Non-Profit-Sektor tiefgreifend zu verändern. Neben der Verringerung von Administrationskosten, beispielsweise durch vereinfachte Mitgliederversammlungen, bis hin zu autonomen Organisationen mit minimalem Verwaltungsaufwand sind vor allem die Anwendungsmöglichkeiten im Fundraising-Bereich vielfältig. Im Folgenden werden sieben der gängigsten Fundraising- Anwendungsfälle skizziert.

1. Transparenz und Wirkungsmessung

Das wohl größte Potential der Blockchain im Fundraising-Bereich liegt in der Chance, Vertrauen in die Verwendung von Spenden aufzubauen und damit mehr Spender anzusprechen. Dank der Blockchain-Technologie können Spender den Weg ihrer Spende immer einwandfrei nachvollziehen.

Ein internationales Beispiel ist die Plattform „Bitgive“ oder „Alice“. Ein bekanntes Beispiel aus Österreich ist das Projekt „Token4Hope“. Entwickelt wurde das System vom innovativen Startup „Collective Energy“ gemeinsam mit dem Wiener Hilfswerk. Es handelt sich um ein bargeldloses, transparentes und manipulationssicheres Spendensystem mit anonymisierten Daten auf Basis der Blockchain. Das System bringt Spender und Empfänger näher zusammen und kann künftig Peer-to-Peer , also direkte, Transaktionen möglich machen.

2. Kryptospenden & anonymes Spenden

In den letzten Jahren hat sich immer mehr Kapital in diversen Kryptowährungen wie Bitcoin, Etherum oder Ripple gesammelt. Kryptos zu spenden ist eine einfache Möglichkeit für Kryptowährungshalter, über ihr Kapital zu verfügen. Durch die Einführung der Kryptowährung Libra von Facebook bekommen Kryptospenden wahrscheinlich noch mehr Relevanz. Denn das Ziel von Facebook ist es, Libra zu einer großen alternativen Währung zu machen.

Steuerlich gilt die Spende von Kryptowährungen in Deutschland als Sachspende. In Österreich bietet unter anderem das SOS Kinderdorf bereits diese innovative Spendenmöglichkeit in Kooperation mit dem Fintech Bitpanda an. Für Kryptospenden wird ein großes Wachstum prognostiziert und die Zielgruppe der Kryptowährungshalter - die überwiegend jung und tech-affin ist -  stellt eine interessante neue Spenderzielgruppe für innovative Non-Profit-Projekte dar.

Kryptowährungen zu spenden erlaubt auch einfaches anonymes Spenden. Dadurch entfallen auch Dankeschreiben, mögliche Telefonate und Newsletter. Die frei gewordenen Ressourcen können wiederum in andere Projekte investiert werden.

3. Internationale/Cross-Border-Spenden

Ein weiterer Vorteil von Kryptospenden besteht darin, dass sie einfach und schnell über Landesgrenzen dorthin überwiesen werden können, wo sie gerade gebraucht werden und das ohne hohe Bankgebühren. Besonders im Bereich Notfallhilfe ist diese Flexibilität relevant und kann dazu beitragen, beispielsweise logistische Herausforderungen oder Korruption zu umgehen. Ein erfolgreiches Beispiel für internationale Kryptospenden ist die Plattform ‚NGO Xchange‘ oder ‚bithope‘.

4. Geringere Transaktionskosten

Nicht nur im internationalen Spendentransfer fallen Transaktionskosten an, auch auf vielen Charity- und Crowdfunding-Plattformen betragen sie zwischen 2 bis 5 Prozent. Durch die vereinfachte Abwicklung von Transaktionen werden die Kosten für die Plattform geringer. Es ist davon auszugehen, dass einige Plattformen diesen Kostenvorteil auch an die Non-Profit-Organisationen weitergeben und somit Crowdfunding attraktiver für gemeinnützige Organisationen wird. International erfolgreich ist bereits die Blockchain basierte Spendenplattform Bounties Network.

5. Mining für den guten Zweck

Sogenannte ‚Miner‘ fungieren bei Währungen wie Bitcoin und Etherum als Rechnungsprüfer. Sie bestätigen die Korrektheit der Transaktionen, treten also quasi als Zeuge auf, dass Person A an Person B wirklich zwei Bitcoins geschickt hat. Für dieses Verifizieren der Transaktionen erhalten sie als Belohnung die Gebühren der Transaktionen, die in diesem Block enthalten sind. Indem nicht gebrauchte Rechenleistung Charity-Mining-Netzwerken zur Verfügung gestellt wird, kann somit Wert geschaffen werden, der Spendenempfängern zu Gute kommen kann. UNICEF Australien hat diesen Weg mit einer eigenen ‚Mining for Charity‘-Seite inklusive Anleitung erfolgreich bestritten, aber auch Apps wie Cudo Donate bieten diese Möglichkeit.

6. Charity-Kryptowährungen

Es gibt derzeit mehrere Tausend verschiedene Kryptowährungen, von denen viele in den nächsten Jahren wieder verschwinden werden. Bemerkenswert unter den Kryptowährungen ist Pinkcoin, eine seit 2015 bestehende Kryptowährung. Bei ihr bekommen die Halter der Währung Zinsen und können diese an soziale Organisationen spenden. Sie werden zusätzlich mit weiteren Pink Coins belohnt, wenn sie diese spenden. Diese Kryptowährung ist ungewöhnlich, weil sie mehr Wert auf soziale Wirkung als auf den reinen Profit legt.

7. Einfache Einflussnahme auf Spendenverteilung


Die Blockchain-Technologie ermöglicht, dass Spender einfach mehr Einfluss auf die Spendenverteilung bei unterschiedlichen Projekten nehmen können. Gemeinschaftliche Abstimmungen sind auf der Blockchain schnell und mit sehr geringen Verwaltungskosten möglich. Durch die Einbindung der Spender entsteht höhere emotionale Verbundenheit und Motivation, die sich positiv auf das Spendenvolumen auswirken kann.

Handlungsempfehlungen für Non-Profit-Organisationen:

Wir stehen noch am Anfang der Blockchain-Revolution und es gibt einige Herausforderungen zu meistern, wie etwa Regulierung, technologische Aspekte und die generelle öffentliche Wahrnehmung für das Thema.

Die Entwicklung schreitet allerdings schnell voran. Durch den Einstieg von Facebook mit Libra im Juni 2019 bekommt die Blockchain - die bis jetzt oft der Spielplatz von Techies und Super-Nerds war - eine neue Dynamik.

Auch wenn noch Zeit bleibt, Non-Profit-Organisationen sollten diese Entwicklung im Blick behalten und sich technisch, rechtlich und steuerlich damit befassen, wie diese Technologie auch den Dritten Sektor beeinflussen kann.

Außerdem sollten sie auch diese neue Technologie, die große Wirkung auf unsere Gesellschaft haben kann, mitgestalten.

Voraussetzung dafür ist

1. der Aufbau von technischem Know-how und Interesse sowie

2. die Zusammenarbeit in Netzwerken gemeinsam mit anderen NPOs, Innovationslaboren, Sozialunternehmern und weiteren relevanten Akteuren,

um das enorme Potenzial zur Lösung sozialer und ökologischer Probleme identifizieren zu können und entsprechend zu handeln.

Über die Autorin:

Claudia Winkler ist Co-Founder des Impact Incbators goood network mit den nachhaltigen Mobilfunkern goood in Deutschland und Österreich. Das Social Business wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. als einer der „Most Impactful Global Social Innovators" am World CSR Day 2019.

Als erfahrene Managerin mit einer Leidenschaft für Technologie und Innovation berät sie im Rahmen von www.adjacent-possible.net etablierte Organisationen bei ihren digitalen Herausforderungen.

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